Neue Leitlinie zu Bruxismus: Was hilft wirklich gegen Zähneknirschen?

Morgens ist der Kiefer verspannt, die Zähne fühlen sich empfindlich an oder Kopf- und Nackenschmerzen treten immer wieder auf? Dahinter kann Zähneknirschen oder Zähnepressen – sogenannter Bruxismus – stecken.

Eine aktualisierte S3-Leitlinie fasst den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu Diagnostik und Behandlung zusammen. Eine wichtige Erkenntnis: Bruxismus ist komplexer als lange angenommen – und nicht einfach die Folge eines „falschen Bisses“.

Schlafbruxismus oder Pressen am Tag?

Grundsätzlich wird zwischen zwei Formen unterschieden:

Schlafbruxismus beschreibt eine Aktivität der Kaumuskulatur während des Schlafs.

Wachbruxismus tritt dagegen tagsüber auf. Betroffene pressen beispielsweise unbewusst die Zähne aufeinander oder spannen die Kaumuskulatur über längere Zeit an.

Bruxismus muss nicht automatisch eine Erkrankung darstellen. Problematisch kann er jedoch werden, wenn Beschwerden entstehen oder Zähne und Zahnersatz zunehmend belastet werden.

Ist der Biss schuld?

Eine wichtige Aussage der Leitlinie lautet: Es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass bestimmte Zahnkontakte oder eine bestimmte Zahnstellung Bruxismus verursachen.

Deshalb sollten die Zähne nicht einfach eingeschliffen werden, um Zähneknirschen zu behandeln.

Bruxismus kann vielmehr von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören unter anderem psychosozialer Stress, Schlaf, bestimmte Medikamente sowie Nikotin und ein übermäßiger Konsum von Alkohol oder Koffein. Auch Erkrankungen wie Schlafapnoe können eine Rolle spielen.

Was hilft bei Bruxismus?

Die Behandlung sollte sich nach den individuellen Beschwerden und möglichen Folgen richten.

1. Aufklärung und Selbstbeobachtung

Gerade beim Pressen am Tag kann es hilfreich sein, die eigene Kieferhaltung bewusst wahrzunehmen.

In entspannter Position sollten die Zahnreihen normalerweise nicht dauerhaft aufeinanderliegen. Kleine Erinnerungen im Alltag oder auf dem Smartphone können dabei helfen, unbewusstes Pressen zu erkennen.

Auch Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung können sinnvoll sein.

2. Individuell angefertigte Aufbissschienen

Eine Aufbissschiene kann insbesondere dabei helfen, Zähne vor weiterer Abnutzung und mechanischer Überlastung zu schützen.

Wichtig ist jedoch: Eine Schiene beseitigt nicht automatisch die Ursache des Bruxismus und beendet das Knirschen nicht zwingend.

Deshalb sollte vor der Anfertigung untersucht werden, welche Beschwerden und Veränderungen tatsächlich vorliegen.

3. Physiotherapie

Bei Beschwerden der Kaumuskulatur oder des Kiefergelenks kann Physiotherapie eine wichtige Ergänzung darstellen.

Je nach Befund kommen beispielsweise Muskelübungen, Stretching, Massage, Wärmeanwendungen oder Entspannungsverfahren infrage.

4. Botulinumtoxin – eine mögliche Option?

Auch Botulinumtoxin wird zur Behandlung von Bruxismus untersucht. Studien zeigen Hinweise darauf, dass dadurch die Aktivität der Kaumuskulatur reduziert werden kann.

Die aktuelle Leitlinie spricht aufgrund der begrenzten Evidenz und möglicher Nebenwirkungen jedoch lediglich eine Kann-Empfehlung aus.

Botulinumtoxin ist deshalb keine Standardbehandlung für jeden Patienten mit Bruxismus.

Medikamente gegen Zähneknirschen?

Eine generelle medikamentöse Therapie des Bruxismus wird nicht empfohlen. Für verschiedene untersuchte Medikamente konnte bislang keine ausreichend zuverlässige Wirkung auf die Bruxismusaktivität nachgewiesen werden.

Warum eine genaue Untersuchung wichtig ist

Nicht jeder Mensch, der gelegentlich die Zähne zusammenpresst, benötigt eine Behandlung.

Relevant wird Bruxismus insbesondere, wenn beispielsweise:

  • deutlicher Zahnverschleiß entsteht,
  • Zähne oder Füllungen wiederholt beschädigt werden,
  • Kaumuskulatur oder Kiefergelenke Beschwerden verursachen,
  • Kopf- oder Nackenschmerzen auftreten oder
  • umfangreicher Zahnersatz durch hohe Belastungen gefährdet ist.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage „Knirsche ich?“, sondern auch: Welche Auswirkungen hat das Knirschen oder Pressen?

Unser Fazit

Die aktuelle Leitlinie zeigt, dass es nicht die eine Therapie gegen Zähneknirschen gibt.

Eine moderne Behandlung berücksichtigt Zähne, Kaumuskulatur, Kiefergelenke und mögliche Einflussfaktoren. Aufklärung, Selbstbeobachtung, individuell angefertigte Aufbissschienen und bei entsprechender Indikation Physiotherapie bilden wichtige Bausteine.

Bei zahn:gesund Köln betrachten wir deshalb nicht nur einzelne Zähne, sondern das Zusammenspiel des gesamten Kauapparates.

Sie pressen oder knirschen mit den Zähnen, wachen morgens mit einem verspannten Kiefer auf oder bemerken zunehmende Abnutzung Ihrer Zähne?

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