Implantate sind nicht wartungsfrei: So schützen Sie sie vor Entzündungen

Ein Zahnimplantat kann viele Jahre zuverlässig funktionieren. Dafür benötigt es jedoch konsequente Pflege und regelmäßige Kontrollen. Besonders wichtig ist der Übergang zwischen Implantatkrone und Zahnfleisch: Dort können sich bakterielle Beläge ansammeln und unbemerkt eine Entzündung auslösen.

Zwei unterschiedliche Entzündungsformen

Bei Erkrankungen rund um ein Implantat unterscheiden Zahnmediziner zwei Stadien:

  • Periimplantäre Mukositis: Das Weichgewebe um das Implantat ist entzündet. Typische Zeichen sind Rötung, Schwellung und Blutung bei Berührung oder Reinigung. Der Kieferknochen ist noch nicht betroffen.
  • Periimplantitis: Die Entzündung hat zusätzlich zu einem Abbau des Knochens um das Implantat geführt. Schreitet dieser Prozess fort, kann das Implantat seinen Halt verlieren.

Eine Mukositis lässt sich bei frühzeitiger Behandlung häufig vollständig beruhigen. Bereits verlorener Knochen bei einer Periimplantitis lässt sich dagegen wesentlich schwieriger wiederherstellen. Die aktuelle europäische S3-Leitlinie betont deshalb die Bedeutung von Prävention, früher Diagnose und einer individuell geplanten Nachsorge. efp.org

Warum die Erkrankung lange unbemerkt bleiben kann

Entzündungen am Implantat verursachen anfangs häufig keine Schmerzen. Das Implantat kann sich daher noch fest anfühlen, obwohl das umgebende Gewebe bereits erkrankt ist.

Mögliche Warnzeichen sind:

  • Zahnfleischbluten beim Putzen oder bei der Verwendung einer Zwischenraumbürste,
  • gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch,
  • unangenehmer Geschmack oder Mundgeruch,
  • austretendes Sekret,
  • Rückgang des Zahnfleisches,
  • Lockerung der Implantatkrone oder des Zahnersatzes.

Eine Blutungsneigung an einem länger eingeheilten Implantat sollte kontrolliert werden. Sie kann auf eine Mukositis oder Periimplantitis hinweisen. DG PARO

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Entscheidend ist vor allem, wie gut bakterielle Beläge rund um das Implantat entfernt werden. Ein zusätzlich erhöhtes Risiko besteht bei Menschen, die bereits an Parodontitis erkrankt waren, rauchen oder einen nicht ausreichend eingestellten Diabetes haben. Auch unregelmäßige Nachsorgetermine können dazu führen, dass frühe Veränderungen übersehen werden. European Federation of Periodontology

Eine frühere Parodontitis bedeutet nicht, dass Implantate grundsätzlich ungeeignet sind. Die Erkrankung sollte jedoch vor einer Implantation stabil behandelt sein. Danach ist eine konsequente Erhaltungstherapie besonders wichtig.

So reinigen Sie ein Implantat richtig

Die Implantatkrone wird wie ein natürlicher Zahn mindestens zweimal täglich geputzt. Ob eine elektrische oder eine Handzahnbürste besser geeignet ist, hängt weniger vom Antrieb als von der gründlichen Anwendung ab.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Bereiche zwischen Implantat und Nachbarzähnen sowie unter Brücken oder Stegen. Je nach Versorgung können dafür geeignet sein:

  • Interdentalbürsten in individuell angepasster Größe,
  • spezielle Zahnseide mit einem verstärkten Einfädelbereich,
  • Einbüschelbürsten für schwer erreichbare Stellen,
  • weitere Hilfsmittel, die in der Praxis passend zur Versorgung gezeigt werden.

Eine zu kleine Interdentalbürste reinigt häufig nicht ausreichend, während eine zu große Bürste das Gewebe verletzen kann. Deshalb sollte die geeignete Größe in der Prophylaxe individuell ausgewählt und die Anwendung praktisch geübt werden.

Mundspüllösungen ersetzen die mechanische Reinigung nicht. Antibakterielle Präparate sollten zudem nicht dauerhaft ohne zahnärztliche Empfehlung verwendet werden.

Regelmäßige Kontrollen sichern den Langzeiterfolg

Bei der Implantatnachsorge werden das Zahnfleisch, die Reinigungsmöglichkeiten und der Zustand der Versorgung kontrolliert. Dazu können eine vorsichtige Messung am Implantat und – abhängig von der individuellen Situation – Röntgenaufnahmen gehören.

Wie oft eine professionelle Implantatpflege sinnvoll ist, richtet sich nach dem persönlichen Risiko. Berücksichtigt werden unter anderem eine frühere Parodontitis, Rauchen, Diabetes, die häusliche Mundhygiene und bereits aufgetretene Entzündungen. Nach einer behandelten Periimplantitis empfiehlt die europäische Leitlinie zunächst engmaschige Nachsorgeintervalle von etwa drei bis vier Monaten; später werden diese individuell angepasst. efp.org

Was gilt als gesichert – und was noch nicht?

Gut belegt sind der Nutzen einer sorgfältigen häuslichen Reinigung, regelmäßiger professioneller Kontrollen und der Behandlung beeinflussbarer Risikofaktoren. Verschiedene zusätzliche Verfahren und Produkte werden zur Vorbeugung oder Behandlung angeboten. Für viele davon ist ein zusätzlicher langfristiger Nutzen bislang jedoch nicht eindeutig nachgewiesen. Entscheidend bleibt deshalb ein individuelles, leitlinienorientiertes Vorgehen.

Gute Pflege beginnt direkt nach der Implantation

Ein Implantat ist ein hochwertiger Zahnersatz, aber kein Selbstläufer. Wer die empfohlenen Kontrollen wahrnimmt, die Zwischenräume täglich reinigt und erste Warnzeichen früh abklären lässt, schafft gute Voraussetzungen für einen langfristigen Erhalt.

Bei zahn:gesund in Köln-Lindenthal kontrollieren wir Implantate und das umgebende Gewebe regelmäßig und stellen die häusliche Pflege individuell auf die jeweilige Implantatversorgung ein.

Quellen

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