Kreidezähne bei Kindern: Wenn Zähneputzen wehtut
Ihr Kind zuckt beim Zähneputzen zusammen oder meidet kalte Getränke? Auf einem neu durchgebrochenen Zahn fallen weiße, gelbliche oder braune Flecken auf? Dahinter können sogenannte Kreidezähne stecken. Früh erkannt, lassen sich empfindliche Zähne gezielt schützen und Beschwerden behandeln.
Was sind Kreidezähne?
Bei Kreidezähnen ist die Qualität des Zahnschmelzes bereits während seiner Entwicklung gestört. Fachleute sprechen von einer Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH. Typischerweise sind die ersten bleibenden großen Backenzähne betroffen, manchmal zusätzlich die bleibenden Schneidezähne.
Der veränderte Schmelz kann weniger belastbar sein und nach dem Zahndurchbruch stellenweise abplatzen. Die Ausprägung ist unterschiedlich: Manche Kinder haben lediglich auffällige Flecken, andere empfindliche Zähne oder größere Schmelzdefekte. PMC
Kreidezähne sind keine Seltenheit: Nach Angaben der KZBV sind laut Sechster Deutscher Mundgesundheitsstudie rund 15 Prozent der Zwölfjährigen in Deutschland betroffen. Zahnschutz durch Fluoride
Woran können Eltern sie erkennen?
Mögliche Hinweise sind:
- deutlich abgegrenzte weißliche, gelbliche oder bräunliche Flecken,
- Schmerzen beim Putzen, Essen oder Trinken,
- raue Stellen oder abplatzende Zahnoberflächen,
- das wiederholte Meiden bestimmter Zähne beim Kauen oder Reinigen.
Besonders aufmerksam lohnt sich der Blick etwa ab dem sechsten Geburtstag: Die ersten bleibenden großen Backenzähne erscheinen hinter den Milchzähnen, ohne dass dafür vorher ein Milchzahn ausfällt.
Nicht jeder Fleck ist jedoch ein Kreidezahn. Auch beginnende Karies oder andere Schmelzveränderungen können ähnlich aussehen. Die Unterscheidung gehört deshalb in die Zahnarztpraxis. PMC
Haben Eltern beim Putzen etwas falsch gemacht?
Kreidezähne entstehen nicht durch mangelndes Zähneputzen. Die Schmelzveränderung entwickelt sich lange bevor der Zahn im Mund sichtbar wird. Auch sorgfältig gepflegte Zähne können betroffen sein.
Warum MIH entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Die Forschung geht von einem Zusammenspiel mehrerer Einflüsse aus. Beobachtete Zusammenhänge mit frühkindlichen Erkrankungen oder Medikamenteneinnahmen beweisen für sich genommen keine einzelne Ursache. Eine zuverlässig wirksame Vorbeugung gegen die Entstehung ist bislang nicht bekannt. dgkiz.de
Welche Behandlung hilft?
Die Behandlung richtet sich danach, wie empfindlich und wie stark geschädigt die Zähne sind. Ziele sind, Schmerzen zu lindern, weitere Schäden zu begrenzen und die Reinigung zu erleichtern.
Je nach Befund kommen schützende Lacke, Versiegelungen, Füllungen oder eine stabilisierende Überkronung infrage. Bei sehr stark geschädigten Backenzähnen kann ausnahmsweise auch eine geplante Entfernung sinnvoll sein. Diese Entscheidung erfordert eine sorgfältige Beurteilung, gegebenenfalls gemeinsam mit der Kieferorthopädie. Nicht jeder Kreidezahn benötigt eine umfangreiche Behandlung. Molar-Incisor Hypomineralization
Was Sie zu Hause tun können
Putzen Sie die Zähne weiterhin regelmäßig und unterstützen Sie Ihr Kind dabei. Ab dem sechsten Geburtstag empfiehlt die KZBV zweimal täglich eine Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid. Zusätzliche Fluoridpräparate sollten passend zum Alter und zum individuellen Kariesrisiko abgestimmt werden. Zahnschutz durch Fluoride
Wenn die Reinigung wehtut, nehmen Sie die Beschwerden ernst. Mehr Druck hilft nicht. Vereinbaren Sie einen Termin, damit empfindliche Stellen behandelt und geeignete Pflegehilfen ausgewählt werden können. Die Kontrollabstände werden anschließend individuell festgelegt. dgkiz.de
Was können spezielle Pflegeprodukte leisten?
Fluoride unterstützen den Kariesschutz; bestimmte Präparate können auch gegen Überempfindlichkeit eingesetzt werden. Bereits fehlende Zahnsubstanz wächst dadurch jedoch nicht nach. Welche zusätzliche Behandlung am besten hilft, hängt vom einzelnen Zahn ab. Für manche neueren Materialien und Verfahren ist die Studienlage noch begrenzt. Molar-Incisor Hypomineralization
Bei zahn:gesund Kids schauen wir gemeinsam mit Ihnen, welche Unterstützung Ihr Kind braucht – damit Essen, Trinken und Zähneputzen möglichst beschwerdefrei werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- KZBV: Zahnschutz durch Fluoride und aktuelle Angaben zu Kreidezähnen – Stand Mai 2025
- DGKiZ: Elternratgeber zu Kreidezähnen – Juni 2025; gemeinsam mit elmex Forschung herausgegeben
- European Academy of Paediatric Dentistry: Behandlungsempfehlungen zu MIH – veröffentlicht 2022
- American Academy of Pediatric Dentistry: Molar-Incisor Hypomineralization – Fachinformation im Referenzhandbuch 2026–2027, verabschiedet 2024